Ausstellung

Jubiläum: 120 Jahre Volkshochschule Ottakring

Am 24. Februar 1901 fand im Ballsaal des Wiener Ronacher die Gründungsversammlung des Vereins „Volksheim“ statt. Ursprünglich hätten die Proponenten den neu gegründeten Volksbildungsverein „Volkshochschule“ nennen wollen, doch der Vereinsbehörde erschien die Bedeutung des Namens – eine „hohe Schule“ (also eine Universität) für das „einfache Volk“ – dann doch etwas zu revolutionär. Statutarisches Ziel dieser ersten Abendvolkshochschule auf dem Gebiet der damaligen Habsburgermonarchie war die Förderung von volksbildnerischen Veranstaltungen, insbesondere von volkstümlichen Vorträgen sowie des freien beziehungsweise kostengünstigen Zugangs zu Büchern und Zeitschriften.

Das bildungsdemokratische Experiment entwickelte sich zu einem durchschlagenden Erfolg. Die Losung „Wissen für alle“ war insbesondere für „Bildungshungrige“ aus den unteren sozialen Schichten so attraktiv, dass nur vier Jahre nach der Vereinsgründung am 5. November 1905 ein eigenes Gebäude feierlich eröffnet werden konnte – die heutige Volkshochschule Ottakring. In den großzügig mit Lehr- und Hörsälen, natur- und kulturwissenschaftlichen Laboren und Kabinetten, Lesesälen und Studienbibliotheken ausgestatteten Räumlichkeiten entfaltete sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte ein intensiver Veranstaltungs-, Lehr- und Forschungsbetrieb, bei dem die Pflege von musikalischer und literarischer Geselligkeit nicht zu kurz kam.

Der ersten Hochblüte im Roten Wien der Zwischenkriegszeit folgten erste Einschränkungen des wissenschaftsorientierten Lehrbetriebs und politische Repressionen im Austrofaschismus. Der Nationalsozialismus machte der freien Volksbildung endgültig ein Ende: Es kam zu einer ideologischen „Gleichschaltung“ des Kursprogramms und zur Entlassung, Vertreibung und Ermordung von politisch oppositionellen und „jüdischen“ Vortragenden, Kursleiterinnen und Kursleitern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltete sich sowohl der materielle und geistige Wiederaufbau als auch die Anknüpfung an die wissenschaftsorientierte Volksbildung der Zwischenkriegszeit schwierig. Doch schon nach wenigen Jahren kehrte mit innovativen Bildungsmodellen wie etwa der „Wiener Lebensschule“, neues Leben in das traditionsreiche Gebäude ein. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Volkshochschule Ottakring ein experimentierfreudiger Lehr- und Lernort für Arbeiterbildung und Stadtteilarbeit, für Geschichtswerkstätten, für feministische Initiativen sowie für Projekte im Bereich der Alphabetisierung, des „Zweiten Bildungswegs“ und „Deutsch als Fremdsprache“ – insbesondere für junge Migrantinnen und Migranten.

Am 24. Februar 2021 jährt sich zum 120. Mal das Gründungsjubiläum der Volkshochschule Ottakring. Aus diesem Anlass gibt es die Gelegenheit, vor der bevorstehenden Generalsanierung des Hauses eine Ausstellung an diesem traditionsreichen Lernort zu besichtigen beziehungsweise online an einem digitalen Rundgang zu 120 Jahren Volksbildungsgeschichte teilzunehmen.

Ausstellung in der Volkshochschule Ottakring bzw. digital mit Jubiläumsbeitrag:
https://www.vhs.at/de/e/ottakring/geburtstagvhsottakring
Mittwoch, 24. Februar 2021 bis voraussichtlich April 2021