Neuigkeiten aus dem Österreichischen Volkshochschularchiv


Kooperation

Die Bildagentur Imagno feierte im Juni 2022 das 20-jährige Bestehen und wurde nun zu brandstaetter images. Seit 2008 ist die Agentur Kooperationspartner des Österreichischen Volkshochschularchivs (ÖVA).

Mit seinen fotografischen Beständen aus über 150 Jahren Zeit-, Kunst- und Kulturgeschichte ist brandstaetter images die führende historische Bildagentur in Österreich.

Der erste Bildband in der Reihe „Die Welt von gestern in Farbe“ mit Wien-Fotografien aus dem Bestand des ÖVA erschien im Brandstätter-Verlag, sieben weitere Bildbände folgten. Einzelne handkolorierte Wien-Bilder sind als großformatige Reproduktionen in der Dauerausstellung des Leopold Museums zu sehen.

Die Verwertung von brandstaetter images erfolgt u.a. in Vertriebskooperation mit APA-PictureDesk, auf deren Web-Plattform auch eine Auswahl an Fotografien aus der Lichtbildersammlung des ÖVA abrufbar ist, die sich auch in den wechselnden Schwerpunkten zu verschiedenen Themen wiederfinden.

Neuzugang

Bereits im Herbst 2017 überließ Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt, langjähriges Vorstandsmitglied des Archiv-Fördervereins, dem Österreichischen Volkshochschularchiv (ÖVA) zahlreiche Materialien aus seinem beruflichen Wirkungskreis als Wissenschaftsreferent der Stadt Wien.

Nun, im Juni 2022 hat Ehalt seinen wissenschaftlichen Vorlass mit mehr als 1000 historischen, sozial- und kulturwissenschaftlichen Büchern, von ihm betreuten Abschlussarbeiten und zahlreichen wissenschaftlichen Zeitschriften dem ÖVA übergeben.

Hubert Christan Ehalt, 1949 in Wien geboren, repräsentiert in Person und Werk die wohl in Österreich heute äußerst selten gewordene fruchtbare Synthese von wissenschaftlicher Forschung, akademischer Lehre, volksbildnerischer Vermittlung, kommunaler Forschungsförderung und internationaler Wissenschaftskommunikation.

Sein Lebenswerk als leidenschaftlicher Wissenschafter und Wissensvermittler, Wissenschaftsorganisator und Mentor begann in der Wiener Volksbildung. Dort besuchte Ehalt von 1966 bis 1969 bei Gerda Matejka-Felden die Künstlerische Volkshochschule und Kunstschule. Ab 1969 war er bei den Wiener Volkshochschulen tätig, wo er – auch zahlreiche eigene – Vorträge, Workshops, Seminare und Tagungen, Führungen und Exkursionen konzipierte, organisierte und durchführte. Ab 1976 war er Obmann der Fachgruppe für kunst- und kulturhistorische Kurse im Verband Wiener Volksbildung, ab 1977 leitete er kulturwissenschaftliche Vortragsreihen und Symposien an der Wiener Urania und in der Volkshochschule Brigittenau. Von 1980 bis 1986 organisierte und leitete er Seminare für „Leiter in der Erwachsenenbildung“ im Volkshochschulheim „Haus Rief“ des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen. Ab 1986 hielt er als Wissenschaftsreferent der Stadt Wien, auch an der Verwaltungsakademie der Stadt Wien zahlreiche Vorträge und Seminare. 1987 initiierte er die weit über Wien hinaus bekannten und geschätzten „Wiener Vorlesungen“. Unter dem einzigartigen Spiritus Rector Hubert Christian Ehalt fanden mehr als 1000 Veranstaltungen mit mehr als 3000 ReferentInnen aus aller Welt statt.

Als Wissenschafter, der auf die Sozial-, Mentalitäts-, Alltags-, Kultur-, Wissens-, Wissenschafts- und Bildungsgeschichte spezialisiert ist, war er seit dem Wintersemester 1980/81 als akademischer Lehrbeauftragter, Universitätsdozent und Gastprofessor an der Universität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien, der Universität für Angewandte Kunst Wien, der Akademie der bildenden Künste Wien, der Universität Linz und der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck tätig.

Die vielen Prüfungsarbeiten, die gebundenen Seminar-, Diplom- und Masterarbeiten sowie Dissertationen, die in großer Zahl auch an dem von ihm geleiteten Institut für historische Anthropologie entstanden sind, spiegeln und reflektieren eine sich über 50 Jahre erstreckende Entwicklung und Wandlung akademischer Diskurskultur und Narrative im geistes- und kulturwissenschaftlichen Feld.

Ehalts umfassendes wissenschaftliches Lebenswerk wurde mit zahlreichen Preisen, Auszeichnungen und Ehrungen gewürdigt.

Die zahlreichen erwachsenenbildnerisch relevanten Dokumente umspannen Materialsammlungen zu den Themen Umwelt und Wohnen, Donau und Donauraum, „Natur“ und „Kultur“, Faschismus, Kunst und Kitsch, Bildung und Schule, „Geschichte von unten“, Sozialanthropologie, Humanbiologie, Medizin und Genetik, Jugend und Familie, Geschlechterrollen, Essen und Trinken, Volksfrömmigkeit, Museumswesen, Stadt- und Körpergeschichte sowie Alter und Tod.

Die von Ehalt überlassenen Materialien, Bücher und Zeitschriften werden vom ÖVA katalogisiert und sind in weiterer Folge via ÖVA-Bestandssuche online recherchierbar.

Online-Beitrag

Im Österreichischen Biographischen Lexikon (online) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist die Biographie des Monats Juni 2022 der Erwachsenenbildnerin Prof. Gerda Matejka-Felden (1901–1984) gewidmet. Weiters erschien der biografische Beitrag im Blog des Online-„Standard“.

Matejka-Felden leitete in den 1930er-Jahren an mehreren Wiener Volkshochschulen Mal- und Zeichenkurse, bis sie im Jahr 1946/47 speziell für diesen Bildungsbereich die Künstlerische Volkshochschule gründete und dieser jahrzehntelang als Direktorin vorstand. Vorerst untergebracht im Gebäude der Akademie der Bildenden Künste am Schillerplatz, übersiedelte die Volkshochschule schließlich im Jahr 1963 in ein Gebäude in der Lazarettgasse, wo sie sich bis heute befindet.

Das Österreichische Volkshochschularchiv stellte für diesen biografischen Text einige Fotos aus dem eigenen Bildarchiv zur Verfügung.

Ausstellung

Die avantgardistische Architekt*innengruppe „Missing Link“ wurde 1970 von Angela Hareiter, Otto Kapfinger und Adolf Krischanitz gegründet.

In grenzüberschreitenden und interdisziplinären Projekten brachte die Gruppe experimentelle Konzepte in die Architektur ein. Dabei ging es „Missing Link“ darum, die fehlenden Verbindungen von Mensch, Architektur, Urbanität, Kunst und sozialem Gefüge zu thematisieren. In den zehn Jahren ihres Bestehens entstand ein äußerst vielschichtiges und vielbeachtetes Werk. Es umfasst neben künstlerischen Objekten, Malereien, Zeichnungen und Texten auch Aktionen, Performances und Experimentalfilme.

Das MAK konnte 2014 das fast vollständige Œuvre von „Missing Link“ samt umfangreichem dokumentarischem Material als „Vorlass“ übernehmen. In der Schau wird das Werk von „Missing Link“, eingebettet in die Kunst- und Architekturgeschichte kontextualisiert: Zu sehen sind Arbeiten von Zeitgenoss*innen der Gruppe und auch historische Positionen, unter anderem von Otto Wagner, Josef Frank, der Architektur des Roten Wien und der Kultur der Wiener Kaffeehäuser.

(Quelle: MAK)

Vom Österreichischen Volkshochschularchiv wurden für den Ausstellungskatalog zwei Bilder aus dem Lichtbildervortrag „Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens“ zur Verfügung gestellt.

Ausstellung im MAK – Museum für angewandte Kunst
„Missing Link. Strategien einer Architekt*innengruppe aus Wien (1970–1980)“
Mittwoch, 11. Mai 2022 bis Sonntag, 2. Oktober 2022

Ausstellung

Anlässlich der 100-jährigen Zugehörigkeit des Burgenlands zur Republik Österreich im Jahr 2021 ist in der Friedensburg Schlaining die Jubiläumsausstellung „Wir sind 100. Burgenland schreibt Geschichte“ zu sehen.
Im Zentrum dieser Ausstellung zum 100-jährigen Geburtstag stehen vor allem die Menschen. Die Sammlung erzählt die Erfolgsgeschichte vieler Generationen von Leuten, die im Burgenland gelebt und gearbeitet haben und rückt packende Lebensgeschichten und Erinnerungen burgenländischer Persönlichkeiten in den Mittelpunkt. Mit 850 Objekten von über 120 Leihgeberinnen und Leihgebern in 160 Vitrinen sowie 30 Medienstationen wird die burgenländische Geschichte anschaulich erzählt. Momente, in denen das Burgenland im Rampenlicht des Weltgeschehens stand, wie etwa während des Ungarnaufstands 1956, beim Fall des Eisernen Vorhangs 1989 oder bei der Flüchtlingskrise 2015 zählen ebenso zum Repertoire der Ausstellung wie die eindrucksvolle Entwicklung des Burgenlandes von einer rückständigen Gegend hin zu einer der innovativsten und lebenswertesten Regionen Europas. Auch die kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt wird in der Jubiläumsausstellung eingehend thematisiert.
(Quelle: Friedensburg Schlaining)

In der Ausstellung sind zahlreiche handkolorierte Lichtbilder aus der Urania-Lichtbildersammlung des Österreichischen Volkshochschularchivs aus der Zeit um 1910 zu sehen. Unter den 80 Bildmotiven finden sich volkskundliche und auch topographische Aufnahmen zu verschiedenen burgenländischen Orten.

Ausstellung in der Friedensburg Schlaining
„Wir sind 100. Burgenland schreibt Geschichte“
Die Ausstellung ist seit August 2021 zu sehen

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Ausstellung


In der Ausstellung „Geschäfte mit Kopien. Der Fotografische Kunstverlag Otto Schmidt“ wird die Arbeit von gewerblichen Fotografen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beleuchtet, die zum Teil auch als Verleger tätig waren oder mit ihnen zusammenarbeiteten. In den Handel kamen Sammelbilder, Kopien, da aufgrund der aufkommenden Konkurrenz durch zahlreiche Fotoateliers ein einträgliches Leben mit beauftragten Porträts erschwert wurde.

Einer der erfolgreichsten Fotografen und zugleich Verleger war Otto Schmidt. Bereits 1873 hatte er schon mit seiner „Wiener Typen“-Sammelbildserie in Buchform als auch als Einzelkarten reüssiert. Schließlich stellte er Vorlagenstudien (z.B. Händestudien) her, die als Anschauungsmaterial für Künstler, (Kunst-)Handwerker und Architekten dienten. Das tatsächlich einträglichste – weil weltweite – Geschäft aber war seine Aktproduktion, die im Übrigen umfangreichste in der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Über die Bildsujets hinaus wird in der Ausstellung die Arbeit in den Fotoateliers, der Handel mit den Fotografien, die technische Ausstattung der Fotografen und die Zusammenarbeit mit Fotografen-Kollegen thematisiert.

Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem Leopold Museum und dem Photoinstitut Bonartes.

(Quelle: Leopold Museum)

Aus dem Österreichischen Volkshochschularchiv sind verschiedene Bildsujets zu sehen, die in Lichtbildvorträgen an der Wiener Urania gezeigt wurden: Wiener Typen und der weibliche Körper.

Ausstellung im Leopold Museum
»Geschäfte mit Kopien. Der „Fotografische Kunstverlag Otto Schmidt“«
Freitag, 20. Mai 2022 bis Sonntag, 28. August 2022

Ausstellung



Die Ausstellung setzt sich aus künstlerischer Perspektive mit den einander bedingenden Themen Armut und Reichtum auseinander. Dabei wird deren Darstellung in Druckgrafik, Fotografie, Malerei, multimedialen Installationen und Zeichnungen vom Mittelalter bis in die Gegenwart beleuchtet.

Aus dem Österreichischen Volkshochschularchiv sind Reproduktionen aus dem Lichtbildervortrag „Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens“, der durch die Wiener Kanalisation führt, zu sehen. Der Vortrag wurde vom Sozialreporter Emil Kläger und dem Photographen Hermann Drawe erstellt und an der Wiener Urania im Kursjahr 1907/08 rund 30 Mal gehalten.

Ausstellung im Dom Museum Wien

arm & reich
Freitag, 5. November 2021 bis Sonntag, 28. August 2022

Neuzugänge

Im September 2021 erhielt das Österreichische Volkshochschularchiv vom „Berufsverband christlicher Arbeitnehmer im hauswirtschaftlichen Dienst“ mehrere Kartons mit Materialien aus dessen Vereinsarchiv, das 2021 aufgelöst wurde.

Im Jahr 1909 wurde der Verband unter dem Namen „Verband der Christlichen Hausgehilfinnen Österreichs“ in Wien gegründet. Zentrale Figur war die christlich-soziale Nationalratsabgeordnete Johanna Weiß, die maßgeblich am Zustandekommen des „Hausgehilfengesetzes“ im Jahr 1920 beteiligt war. Dieses Gesetz führte zu einer Verbesserung der rechtlichen Situation von zirka 400.000 – vorwiegend weiblichen – Hausangestellten in Bezug auf Entlohnung, Arbeitszeitregelung und Altersversorgung.

Neben der Organisation von Kursen und Veranstaltungen zur Berufsausbildung war das Hauptanliegen des Vereins, die soziale Situation der Hausgehilf*innen und aller Mitarbeiter*innen im hauswirtschaftlichen Dienst zu verbessern. Aufgrund des erwachsenenbildnerischen Fokus' des Vereins übernahm das Volkshochschularchiv die Materialien in seinen Bestand. Darunter befindet sich auch die Zeitschrift „Die Hausgehilfin“ (erschienen 1919 bis 1938 und 1959 bis 1969), die dem Volkshochschularchiv nun vollständig vorliegt.

Für die Übergabe der Unterlagen an das Volkshochschularchiv zu Forschungszwecken gebührt der Obfrau des Vereins, Frau Theresia Müller, Dank.

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Im August 2020 starb im Alter von 92 Jahren Frau Fritzi Lukan. Sie war die Gattin des Bergsteigers, Alpinisten und Buchautors Karl Lukan (…✝ 2014), der von 1949 bis 2010 – also mehr als 60 Jahre – als Vortragender und Exkursionsleiter an den Wiener Volkshochschulen tätig war.

Karl und Fritzi Lukan waren ein Forscherehepaar, das ihre Reise- und Exkursionserlebnisse in Österreich, aber auch im benachbarten Ausland mit zahlreichen Fotos einem breiten Publikum in Vorträgen präsentierte. Die beschrifteten Dias zu den rund 60 Vorträgen zu alpinistischen und kulturhistorischen Themen kamen – zusammen mit einem Teil der Privatbibliothek, vor allem mit den von Karl Lukan verfassten 54 Schriften – im März 2021 an das Österreichische Volkshochschularchiv. Unter den Vortragsdias finden sich auch seltene Aufnahmen von Gegenden im alpinen Raum, die durch zerstörende Eingriffe des Menschen ihren ursprünglichen Charakter verloren haben.

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Das Österreichische Volkshochschularchiv erhielt im Februar 2021 rund 400 Hausarbeiten des Lehrgangs der Österreichischen Gesellschaft für Dokumentation und Information (ÖGDI) der Jahrgänge 1984 bis 2005.



Erschließung

Das Österreichische Volkshochschularchiv wertet bei Sammelbänden und historischen Zeitschriften auch die enthaltenen Einzelartikel aus. Mittlerweile können rund 85.000 Beiträge über die Online-Recherche via Bestandssuche abgefragt werden.

Seit September 2021 ist nun auch die Zeitschrift „Bildungsarbeit. Blätter für sozialistisches Bildungswesen“, herausgegeben von der Zentralstelle für das Bildungswesen in Wien, für den Erscheinungszeitraum 1923 bis 1934 nach Einzelartikeln ausgewertet. Das Periodikum widmet sich verschiedenen Bildungskonzepten, vor allem auf dem Gebiet der Arbeiterbildung und des Büchereiwesens. Abgedruckt finden sich darin auch Vorträge, so etwa jener der österreichischen Politikerin Marianne Pollak zum Internationalen Frauentag 1926.

Neuerscheinung

Im September 2021 erschien das Buch „Mehr Licht für alle! Freie Schule – Die angesagte Option“. Der Autor, Prof. Heinz Weiss, langjähriger Geschäftsführer der Wiener Kinderfreunde, ist Rechnungsprüfer des Fördervereins des Österreichischen Volkshochschularchivs.

Nach der Gründung des Vereins „Freie Schule“ (ehemals „Verein zur Erhaltung einer Freien Schule für Volksbildung“) im Jahr 1905, bei der auch Ludo Moritz Hartmann maßgeblich beteiligt war, erfolgte die Eröffnung des Gebäudes in der Albertgasse 23 im 8. Wiener Gemeindebezirk am 18. September 1910. Der Verein trat für eine umfassende Schulreform ein und bemühte sich, den übergroßen Einfluss der katholischen Kirche im Schulwesen zurückzudrängen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde der ursprünglich unpolitische Verein zum offiziellen Schulverein der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei – 1923 fusionierte der Verein „Freie Schule“ mit den Kinderfreunden zum Sozialdemokratischen Erziehungs- und Schulverein „Freie Schule-Kinderfreunde“. Im Buch werden auf erzählerisch kreative Weise die räumliche Ausgestaltung, die Lehrenden und die bildungspolitisch-edukativen Ziele thematisiert und mit vielen Bildern illustriert.

Heinz Weiss,
„Mehr Licht für alle! Freie Schule – Die angesagte Option“
Echomedia Buchverlag
Wien 2021
200 Seiten
ISBN: 978-3-903989-23-8


Erschließung

Seit April 2021 sind Artikel von zwei weiteren historischen Zeitschriften am Webportal des Österreichischen Volkshochschularchivs recherchierbar.

Es handelt sich dabei um eine Zeitschrift, die zwischen 1910 und 1949 unter drei aufeinanderfolgenden Titeln erschienen ist:
* „Volksbildungsarchiv. Zentralblatt für Volksbildungswesen“: 1910–1923
* „Archiv für Erwachsenenbildung“: 1924–1925
* „Freie Volksbildung“: 1926–1933 und 1947–1949

Gegründet wurde die Zeitschrift von Robert von Erdberg, Gründer des Hohenrodter Bundes und Proponent der Neuen Richtung in Deutschland, die sich nach dem Ersten Weltkrieg zum Ziel setzte, mit Volksbildung zur Volkbildung beizutragen.
Neben der intensiven Theoriediskussion betreffend Volksbildungspraxis, pädagogisch-praktischen Fragen und den Berichten aus (Heim-)Volkshochschulen in Deutschland, wird in einer internationalen Rundschau auch der Blick über den Tellerrand geworfen und die Volksbildungsarbeit zum Beispiel in Belgien, England und auch Österreich beleuchtet. Als Organ des Hohenrodter Bundes finden sich in der Zeitschrift auch Berichte über die veranstalteten Tagungen.

Die zweite Zeitschrift – die „Berliner Arbeitsblätter für die (deutsche) Volkshochschule“ – erschienen 1955–1963, wurde vom Berliner Senator für Volksbildung, Referat Volkshochschulen herausgegeben. Die Zeitschrift zeigt in ihren Themen eine ebenso breite Streuung, wie sie auch in dem zuvor vorgestellten Periodikum zu finden ist.

Zur Bestandssuche

Neuzugang

Dank einer privaten Schenkung erweitert sich der Bestand des Wissenschaftlichen Vereins Skioptikon um weitere 70 Lichtbilder, die zur Illustration von Vorträgen verwendet wurden.
Die im März 2021 dem Österreichischen Volkshochschularchiv übergebenen Lichtbilder zeigen vorwiegend das Wiener Stadtleben um 1900. Neben dem Umbau des Karlsplatzes und verschiedenen Sehenswürdigkeiten der inneren Stadt finden sich auch Aufnahmen von der Wiener Stadtbahn sowie den Markthallen. Abgerundet wird das Wien-Potpourri durch Ansichten der Wiener Hausberge.

Eine Bilderserie naturwissenschaftlich-technischen Inhalts behandelt die Herstellung einer elektrischen Glühlampe in all ihren Einzelheiten.

Alle Lichtbilder des Vereins Skioptikon sind gerahmte schwarzweiß-Positive und stellen eine interessante Ergänzung zu den bereits vorhandenen Sujets der Lichtbildersammlung Urania Wien des Österreichischen Volkshochschularchivs dar.

Neuerscheinung

Die „Spurensuche. Zeitschrift für Geschichte der Erwachsenenbildung und Wissenschaftspopularisierung“ setzt sich in ihrer aktuellen Schwerpunktausgabe mit dem Thema Erwachsenenbildung und Nationalsozialismus auseinander und schließt damit eine Forschungslücke.

Obwohl die zeithistorische Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Holocaust mittlerweile Bibliotheken füllt und sich um eine Vielzahl von methodisch ausdifferenzierten Forschungszugängen erweitert hat, sind manche gesellschaftliche Bereiche noch zu wenig beleuchtet worden. Zwar wird neben der Rolle von Universität und Wissenschaft zunehmend auch nach den Funktionen von Kunst, Kultur, Erziehungswesen beziehungsweise Pädagogik gefragt, der Forschungsoutput ist hier quantitativ aber nach wie vor bescheiden . Der allgemein zu konstatierende Randstatus bildungsgeschichtlicher Themen, die einen wenig beachteten Nebenschauplatz im Mainstream des historiografischen Analysespektrums bilden, lässt sich auch im Kontext der NS-Forschung feststellen. Abgesehen von einigen wenigen, oftmals aus dem unmittelbaren edukativen Berufsfeld heraus entstandenen Einzeldarstellungen und Dokumentationen blieb die Frage nach der Funktion der Volks- beziehungsweise Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus weitgehend unberücksichtigt.

Erwachsenenbildung und Nationalsozialismus: ein Widerspruch?

Volksbildung und Nationalsozialismus schließen einander eigentlich kategorisch aus: hier die gesellschafts- und bildungspolitischen Axiome einer demokratieförderlichen und wissenschaftszentrierten Lehr- und Lernfreiheit im Sinne einer weltoffenen, an der Entfaltung des Individuums orientierten Weltauffassung, dort die auf rassistischem Antisemitismus basierende Ideologie und Herrschaftspraxis des Nationalsozialismus, die das „Zeitalter des Liberalismus und Individualismus“ durch die gleichgeschaltete „Volksgemeinschaft“ endgültig überwinden wollte.
Dennoch gab es Volks- beziehungsweise Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus – in Deutschland seit 1933, in Österreich seit 1938. Es gab (propagandistische) Vorträge, Kurse und (systemstabilisierende) kulturelle Veranstaltungen, deren Programmgestaltung den NS-Gauleitungen unterworfen war. Die „Volksbildungsstätten“, in welche die Volkshochschulen umgewandelt wurden, waren nur für „arische Volksgenossen“ zugänglich. Jüdische und politisch unliebsame KursleiterInnen, administrative Kräfte und Volkshochschulleiter wurden entlassen, inhaftiert, vertrieben oder ermordet.

Zu den genannten Themenbereichen liefert die „Spurensuche“ Beiträge, so etwa erstmals zu Aspekten der institutionsgeschichtlichen Entwicklung oder zu Frühformen völkischen Gedankenguts.
Autorinnen und Autoren sind: Matthias Alke, Hannelore Bastian, Thomas Dostal, Georg Fischer, Bernd Käpplinger, Antje von Rein, Bernhard Schoßig, Christian H. Stifter, Maria Stimm, Robert Streibel und Celine Wawruschka.

Zum Inhaltsverzeichnis

Ausstellung

Am 24. Februar 1901 fand im Ballsaal des Wiener Ronacher die Gründungsversammlung des Vereins „Volksheim“ statt. Ursprünglich hätten die Proponenten den neu gegründeten Volksbildungsverein „Volkshochschule“ nennen wollen, doch der Vereinsbehörde erschien die Bedeutung des Namens – eine „hohe Schule“ (also eine Universität) für das „einfache Volk“ – dann doch etwas zu revolutionär. Statutarisches Ziel dieser ersten Abendvolkshochschule auf dem Gebiet der damaligen Habsburgermonarchie war die Förderung von volksbildnerischen Veranstaltungen, insbesondere von volkstümlichen Vorträgen sowie des freien beziehungsweise kostengünstigen Zugangs zu Büchern und Zeitschriften.

Das bildungsdemokratische Experiment entwickelte sich zu einem durchschlagenden Erfolg. Die Losung „Wissen für alle“ war insbesondere für „Bildungshungrige“ aus den unteren sozialen Schichten so attraktiv, dass nur vier Jahre nach der Vereinsgründung am 5. November 1905 ein eigenes Gebäude feierlich eröffnet werden konnte – die heutige Volkshochschule Ottakring. In den großzügig mit Lehr- und Hörsälen, natur- und kulturwissenschaftlichen Laboren und Kabinetten, Lesesälen und Studienbibliotheken ausgestatteten Räumlichkeiten entfaltete sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte ein intensiver Veranstaltungs-, Lehr- und Forschungsbetrieb, bei dem die Pflege von musikalischer und literarischer Geselligkeit nicht zu kurz kam.

Der ersten Hochblüte im Roten Wien der Zwischenkriegszeit folgten erste Einschränkungen des wissenschaftsorientierten Lehrbetriebs und politische Repressionen im Austrofaschismus. Der Nationalsozialismus machte der freien Volksbildung endgültig ein Ende: Es kam zu einer ideologischen „Gleichschaltung“ des Kursprogramms und zur Entlassung, Vertreibung und Ermordung von politisch oppositionellen und „jüdischen“ Vortragenden, Kursleiterinnen und Kursleitern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltete sich sowohl der materielle und geistige Wiederaufbau als auch die Anknüpfung an die wissenschaftsorientierte Volksbildung der Zwischenkriegszeit schwierig. Doch schon nach wenigen Jahren kehrte mit innovativen Bildungsmodellen wie etwa der „Wiener Lebensschule“, neues Leben in das traditionsreiche Gebäude ein. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Volkshochschule Ottakring ein experimentierfreudiger Lehr- und Lernort für Arbeiterbildung und Stadtteilarbeit, für Geschichtswerkstätten, für feministische Initiativen sowie für Projekte im Bereich der Alphabetisierung, des „Zweiten Bildungswegs“ und „Deutsch als Fremdsprache“ – insbesondere für junge Migrantinnen und Migranten.

Am 24. Februar 2021 jährt sich zum 120. Mal das Gründungsjubiläum der Volkshochschule Ottakring. Aus diesem Anlass gibt es die Gelegenheit, vor der bevorstehenden Generalsanierung des Hauses eine Ausstellung an diesem traditionsreichen Lernort zu besichtigen beziehungsweise online an einem digitalen Rundgang zu 120 Jahren Volksbildungsgeschichte teilzunehmen.

Ausstellung in der Volkshochschule Ottakring bzw. digital mit Jubiläumsbeitrag:
https://www.vhs.at/de/e/ottakring/geburtstagvhsottakring
Mittwoch, 24. Februar 2021 bis voraussichtlich April 2021

Personalia

Seit 1. Februar 2021 verstärkt Dr. Ina Markova das Team des Österreichischen Volkshochschularchivs. Sie studierte Geschichtswissenschaften in Wien, Paris und New Orleans.
Ihre 2016 abgeschlossene Dissertation wurde von Dr. Heidemarie Uhl und Univ.-Prof. Mag. DDr. Oliver Rathkolb betreut und setzt sich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive mit Fragen von Visual History und Geschichtspolitik in Bezug auf die NS-Zeit auseinander. Sie erschien 2018 unter dem Titel „Die NS-Zeit im österreichischen Bildgedächtnis“ und wurde mit dem Herbert-Steiner-Preis des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes sowie dem Grete-Mostny-Preis der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien ausgezeichnet. Seitdem hat sie an unterschiedlichen Projekten mitgearbeitet, etwa an Studien über die Geschichte des Parlamentsgebäudes sowie die Genese des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien. Ebenso forschte sie über zwei kommunistische WiderstandskämpferInnen – Franz Marek und Tilly Spiegel.
2021 erscheint aus Anlass des hundertsten „Geburtstags“ der Arbeiterkammer Wien ein Buch über österreichische Sozialpolitik im Speziellen und ArbeiterInnenbewegung im Allgemeinen, das sie mit Florian Wenninger verfasst.
Am Österreichischen Volkshochschularchiv widmet sie sich derzeit Forschungs- und Publikationsprojekten im Bereich der Biografiegeschichte von Volks- und ErwachsenenbildnerInnen.

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Nachdem Stefan Westacott im Juni 2020 seine Lehrabschlussprüfung im Lehrberuf Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistent erfolgreich bestanden hat, konnte er am 29. September 2020 im Österreichischen Volkshochschularchiv angestellt werden.
Sein Arbeitsgebiet im Volkshochschularchiv umfasst das Katalogisieren von Büchern der Studienbibliothek des Archivs, die Verzeichnung von audiovisuellen Archivalien sowie die (Retro-)Digitalisierung von Bildern und Schriften.

Ausstellung

Aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Wachau als UNESCO-Weltkulturerbe im Jahr 2020 zeigt die Landesgalerie Niederösterreich eine umfassende Schau, die den Beiträgen aus der bildenden Kunst und der Fotografie zur Ikonografie dieser weltbekannten Natur- und Kulturregion gewidmet ist.

Zahlreiche MalerInnen, ZeichnerInnen und FotografInnen beschäftigten sich in ihren Werken mit der pittoresken, von Weinbau und Schifffahrt geprägten Landschaft des Donautals zwischen Melk und Krems. Sie traten aber auch für den Schutz der Landschaft ein und halfen mit, ein öffentliches Bewusstsein für die Bedeutung dieses ererbten Kultur- und Naturschatzes zu schaffen.

Bereits im frühen 19. Jahrhundert fingen LandschaftsmalerInnen die Wachau in ihren Bildern ein. In den 1870er-Jahren wurde die Wachau von Künstlern wie Robert Russ, Emil Jakob Schindler und Eduard Peithner von Lichtenfels entdeckt. Aber auch Künstlerinnen wie Tina Blau oder Marie Egner wurden von der Wachau angezogen. Nicht zuletzt trugen KünstlerInnen der klassischen Moderne wie Anton Faistauer, Oskar Laske und Franz von Zülow dazu bei, die Wachau in unserem historischen, kulturellen und ästhetischen Bewusstsein zu verankern.

Die Ausstellung präsentiert knapp 500 Werke vom ausgehenden 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, in erster Linie Schätze aus den Landessammlungen Niederösterreich, aber auch zahlreiche handkolorierte Lichtbilder aus der Urania-Lichtbildersammlung des Österreichischen Volkshochschularchivs.

(Quelle: Landesgalerie Niederösterreich)

Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich
„WACHAU. Die Entdeckung eines Welterbes“
Mittwoch, 1. Juli 2020 bis Sonntag, 6. März 2022

Digitalisierung

Bereits seit geraumer Zeit wird im Volkshochschularchiv an der Digitalisierung von Audio-Dokumenten – Vorträge, Interviews, Diskussionen – gearbeitet. Seit Juli 2020 ist ein erstes Audio-Dokument online abrufbar: ein Vortrag aus dem Jahr 1965 des Bibliothekars und Dichters Josef Luitpold Stern zu Ludo Moritz Hartmann, Gründungspionier der Wiener Volkshochschulen.

In Kooperation mit einem vom FWF geförderten Projekt zu „Praktiken des Lehr- und Unterrichtsfilms“ des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien, des Ludwig Boltzmann Institute for Digital History und des Österreichischen Filmmuseums wird seit März 2020 ein Teil des historischen Filmbestands des Volkshochschularchivs retrodigitalisiert. Dabei handelt es sich großteils um Filme, die in den 1950er- und 1960er-Jahren vom Verband Wiener Volksbildung im Rahmen seiner Volksbildungsarbeit gezeigt wurden und unter anderem Einblick geben in ferne Länder und unterschiedliche Arbeits- und Berufswelten.

Ausstellung

Der „Cinématographe“ – eine Erfindung der französischen Brüder Auguste und Louis Lumière – eroberte seit seiner ersten öffentlichen Vorführung am 28. Dezember 1895 in Paris innerhalb von kurzer Zeit die Welt.

Bereits im März 1896 kam es zur ersten Filmvorführung in Wien. Die ersten Wiener Kinos etablierten sich in den Jahren von 1903 bis 1905. 1906 gab es bereits zwölf Kinos. Neben dem Ersten Wiener Gemeindebezirk wies der Bezirk Leopoldstadt mit dem Prater die meisten Spielstätten auf. Aufgrund der vielen Kinos sowie Film- und Verleihfirmen entwickelte sich der 7. Bezirk zum Zentrum der Wiener Filmbranche. Aber auch in den Arbeiterbezirken außerhalb des Gürtels gab es viele Kinos, insbesondere in Ottakring, Meidling, Rudolfsheim-Fünfhaus und Favoriten.
Mit ihren in der Nacht elektrisch beleuchteten Fassaden und der häufig wechselnden, abwechslungsreichen Programmgestaltung prägten die Lichtspieltheater und Filmpaläste, aber auch die zahlreichen Klein- und Kleinstkinos das Erscheinungsbild der Stadt. Generationen von Wienern und Wienerinnen erlebten in diesen dunklen Räumen mit ihrer flimmernden Leinwand „die Welt“. Für viele wurde – gerade in schlechten Zeiten – das Kino zum Flucht- und Traumort einer „besseren Welt“.
Nach Höchstzahlen von mehr als 200 Kinospielstätten führte der Siegeszug des Fernsehens ab den 1950er-Jahren dazu, dass es heute in Wien nur mehr etwas mehr als 30 Kinos gibt.

Neben einer Vielzahl an Plakaten, Fotos und Filmdokumenten sowie Realien aus verschiedenen Wiener Kinos finden sich in der Ausstellung auch Dokumente und Bilder zum Urania-Kino aus den Beständen des Österreichischen Volkshochschularchivs.

Ausstellung im METRO Kinokulturhaus des Filmarchivs Austria und digitaler Rundgang
„Kino Welt Wien. Eine Kulturgeschichte städtischer Traumorte“
Montag, 1. Juni 2020 bis Mittwoch, 30. Juni 2021